2017. Dünne Luft macht schlank
27.08.2017

Am Himmel funkeln die Sterne. Dem Wecker ist das egal, er reißt uns um 1:45 Uhr aus dem leichten Schlaf. Abmarsch in voller Montur ist um 2:45. Davor ein kurzer Wetter-Check für den passenden Lagenlook, Rucksack optimieren, Klettergurt, Stiefel und Gamaschen anziehen, Steigeisen festzurren, Stirnlampe zurechtrücken. Beim Start in einen Hochtourentag geht es konzentriert zur Sache und emsig wie in einem Ameisenhaufen zu – erst recht, wenn alle dasselbe Ziel haben. Ist die Tour nicht lang, darf auch mal gemütlich bis um 5 Uhr ausgeschlafen werden. Hochtourentage starten früh und enden beizeiten, um der Gefahr, bei aufweichendem Schnee, den Tag in einer Gletscherspalte zu beenden, aus dem Weg zu gehen.

Viel Zeit für ein gemütliches Frühstück bleibt somit nicht. Ohnehin, wer kann schon so früh morgens kraftvoll zu beißen. Das Frühstücksbuffet ist in der Regel überschaubar: Nicht ganz frisches Brot, Butter, Marmelade, wenn es gut läuft, ein bisschen Käse, oder in der Luxusvariante gibt es ein paar Müsliflocken. Ganz wichtig: ‚No life before Coffee!‘. Doch davon darf es nicht zu viel sein, ‚Boxenstopps‘ auf (Hoch-)Tour sind so eine Sache – besonders für Frauen. Überhaupt sind Pausen auf Hochtour keine richtigen Pausen.

Die 5-10 minütigen Standzeiten dienen vorwiegend der Optimierung: noch eine Jacke an, oder eine aus. Helm gegen Mütze tauschen, Sonnenschutz nachlegen. Die grenzenlose Weite genießen – wer nicht am Trinkschlauch nuckelt, trinkt dabei etwas, oder macht Fotos. Rucksack wieder zu und auf, Handschuhe wieder an und weiter geht’s.

Have a break...

Haben wir da nicht was vergessen? Ach ja – ein flaues Magengefühl macht sich bemerkbar. Das frühe Petit Dejeuner ist längst verbrannt, das hat sich der erste Anstieg geschnappt. Es sind aber noch einige Höhenmeter zu bewältigen und die Beine brauchen Stoff!

Was also essen auf Tour, wenn jedes Gramm Gewicht zählt?
In der Höhe zapft der Körper die Fettreserven an und lässt die Kohlenhydratspeicher links liegen. Dieses Ergebnis einer Studie haben 2011 die beiden Schweizer Höhenmediziner Jacqueline Pichler und Urs Hefti im SAC-Magazin „Die Alpen“ veröffentlich. Dabei macht dieses Verhalten überhaupt keinen Sinn. Denn Fettverbrennung verbraucht viel mehr Sauerstoff, aber der ist ja bekanntlich weiter oben schwerer zugänglich. Eine Erklärung haben die Forscher nicht. Sie vermuten, dass der Körper aufgrund der Extremsituation in den Überlebensmodus schaltet und damit auf die Fettreserven zugreift. Was immer der Grund ist, es erklärt zumindest den Heißhunger auf Kässpätzle und Ähnlichem, der auch Tage nach der Tour anhält und die Tatsache, dass nach einer Tourenwoche das Körperfett deutlich weggeschmolzen ist.

Uns zeigt das, warum unsere Geheimwaffen auf Hochtour so gut funktionieren:

  1. Quadratisch. Praktisch. Lecker. Die Dunkle Voll-Nuss von Ritter-Sport
    Passt in die Jackentasche, lässt sich mit Handschuhen gut öffnen und essen, hat ein für Hochtouren ideales Fett-Kohlenhydrat-Verhältnis und schmeckt lecker. Klebt nicht, macht keinen Durst. Die 100-Gramm-Tafel mit ganzen Haselnüssen bringt locker 570 Kalorien auf die Waage – da hält kaum ein Energieriegel mit. Absolut empfehlenswert - auch weil es Schokolade auf jeder Hütte gibt und man keine Energieriegelvorrat mitschleppen muss.
  2. Mangostreifen getrocknet von Seeberger
    Bieten Abwechslung und einen schnellen Energieschub zwischendurch, passen ebenfalls in die Jackentasche und wiegen fast nichts.
  3. Cola im Tank
    Im Verhältnis 1:3 mit Wasser gemischt,sorgt der Zucker für zusätzliche Energie, das Koffein hilft die Fettreserven schneller anzuzapfen und schützt zudem vor Kopfschmerzen. Das Verhältnis ist auch für Nicht-Cola-Trinker wie wir es sind genießbar.

Mit diesem Energie-Pack kommt man hervorragend durch den Tag und auf die nächste Hütte. Sobald die Steigeisen und Stiefel gegen Crocs getauscht sind, gibt es kein Halten mehr.


Je nachdem, was die Karte hergibt stürzen wir uns am liebsten auf eine heiße, kräftige Minestrone, ein köstliches Käse-Omelette und zum Dessert - sofern noch etwas in uns hinein passt - auch noch auf ein Stück Kuchen zum Kaffee. Den besten durften wir bisher auf 3.835m genießen, auf dem Refuge Goûter: eine Tarte au Citron zum Niederknien, von Meisterhand geschaffen. In der Küche dort zaubert ein Patissier wahre Kunstwerke. Damit übersteht man locker, bis abends dann die Käsenudeln auf den Tisch kommen.

Unterwegs in den Bergen verheißt in fast jeder Hinsicht grenzenlosen Genuss, dafür lohnt sich auch das frühe Aufstehen.