2017. Epilog zum Mont Blanc
13.07.2017

Der Berg kann einem vieles geben, aber er kann einem auch alles nehmen. Am Vallot-Bivouac musste eine schwere Entscheidung getroffen werden. Gehen? Bleiben? Retournieren? Viel Zeit war nicht dafür. In dem kurzen Moment der Entscheidung, was es die einzig richtige, nicht weiter zu gehen. Es war nicht vorhersehbar, wie sich der plötzliche und vollkommen unerwartete ‚Kälteschock‘ von Marie entwickeln würde. Am Berg – das haben wir uns immer wieder gesagt, geht es nicht um Erfolg. Es war immer der Weg, den wir in den Mittelpunkt gestellt haben. Eine Fehlentscheidung kann oft nie wieder revidiert werden. Am Berg – erst recht an einem wie dem Mont Blanc geht es ums Leben. Und daran haben wir beide große Freude. Und es gibt Menschen in diesem Leben, denen der Gipfel gänzlich egal ist – für sie zählt nur – wie für uns, dass wir wieder gesund nach Hause kommen. Was wirklich von Bedeutung ist, ist was wir in den fast zwei Jahren, in denen wir auf dieses Ziel hin gefiebert haben, erleben durften. Es hat uns reicher und reifer gemacht. Unsere Freundschaft geprägt, vertieft, uns verbunden.

Ein Ziel muss sein. Andreas hat uns gesagt, dass der Mont Blanc für viele Bergsteiger der Höhepunkt ihrer Berglaufbahn ist – meist erst nachdem sie viele Jahre Erfahrung in diesen eisigen Höhen gesammelt haben. Wir waren verwegen genug, den höchsten Berg Europas schon nach ein paar Hochtouren ins Visier zu nehmen. Das kann gut gehen; es gibt aber auch nach dem härtesten Training und der intensivsten Vorbereitung keine Gewähr für den Erfolg. Den Berg zu besteigen – egal, ob bis kurz vor und bis zum Gipfel verlangt Höchstleistung von jedem, der sich da nach oben wagt. Viele Faktoren müssen passen, damit es nicht in einem Abbruch, oder sogar in einer Tragödie endet: Wetter, Bedingungen am Berg, Physis, Psyche – und schlussendlich auch Glück braucht es, dass man von Stein- und Eisschlag und Lawinen verschont bleibt.

Reinhold Messner - Vortrag 'Passion am Limit'


Beim dem Vortrag von Reinhold Messner ‚Passion am Limit‘, den wir in der ersten Vorbereitungsphase besucht hatten, ist uns eine Passage besonders hängen geblieben: „Am Ende eines Lebens kommt es nicht darauf an, was wir erreicht haben, oder was wir angehäuft haben, sogar das Haben von Wissen ist langweilig. Was interessant ist, ist das sich Holen von Wissen, das ist die Neugierde, die uns hinaustreibt, um zu erfahren, was jenseits des Horizontes ist. Es gibt am Ende des Lebens nicht das gelungene Leben, es gibt am Ende des Prozesses ein Gelingen des Lebens in dem wir tun. Das Glück kann man nicht erhaschen; das Glück passiert. Wir sind das Glück während wir tun, während wir suchen, während wir unterwegs sind, während wir unser Leben wagen… Was lebensfroh macht und jung hält, das ist ein neues Ziel, eine neue Herausforderung, die in der Zukunft liegt.“