2017. Gipfeltag. Un Moment de Grâce
08.07.2017

Gegen halb acht ist Marie aus der Dunkelheit und des Alleinseins im Vallot-Biwak befreit. Das bange Warten hat endlich ein Ende. Über zwei Jahre lang haben wir gemeinsam auf den Augenblick hin gefiebert, gemeinsam auf dem Gipfel des 4810 Meter hohen Mont Blancs – dem Dach Europas zu stehen. Bestens vorbereitet, guter Dinge und zuversichtlich sind wir morgens um 2:45 Uhr am Refuge Gôuter gestartet, um ein paar Stunden später, diesen Augenblick zu erleben. Kein Gedanke daran, dass uns dieser gemeinsame Moment an diesem Tag verwehrt bleiben sollte. Der erste Abschnitt lief ruhig, kein Anzeichen, was uns nach dem Dôme du Gôuter erwarten würde. Nach zwei Stunden hat der Berg wieder einmal die Regie übernommen. Die eisige Kälte und der stürmische Wind haben Marie buchstäblich von den Beinen gefegt. Im Gepäck nichts mehr, um dem etwas entgegen zu setzen. Daran knabbern wir beide noch heute. Was wäre wenn…?

Das Ereignis am Vallot-Biwak hat uns – neben ganz wichtigen Erfahrungen für die Besteigung hoher Berge – vor allem eines gezeigt: es verbindet uns eine innige Freundschaft, die viel größer und stärker ist, als der Gipfel Europas.

Wir machen an diesem Tag das Plateau am Vallot-Biwak zu unserem gemeinsamen Gipfel und erleben unseren ‚Moment du Grâce‘ jetzt und hier.

Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.
Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach