2017. Das berüchtigte Grand Couloir
07.07.2017

Da die Fels-Etappe relativ kurz ist und die Bedingungen gut, schnallen wir erst gegen 8:30 Uhr die Steigeisen für die erste Schneetraverse an. Eine halbe Stunde später stehen wir am Fels. Vor unseren Nasen ragt jetzt direkt der Fels auf. Die Steigeisen wandern in den Rucksack, die Stöcke hinterher, dafür kommt der Helm raus und die Kletterhandschuhe werden angezogen. Wir gehen am Seil. Konzentriert – nur keinen Steinschlag auslösen. Das gefährliche Couloir kommt gleich zu Beginn und wir passieren es zügig. Es ist gut gegangen. Wir kommen sicher auf der anderen Seite an. Ab jetzt wird geklettert. Der Fels am Mont Blanc ist wunderbar griffig und die Granitblöcke bieten auch für unsere klobigen Hochtourenstiefel immer einen kleinen Vorsprung, der als Tritt geeignet ist. Es fängt an, Spaß zu machen, zumal wir das Glück haben, das weder Schnee, Eis noch Regen die Passage rutschig und damit lebensgefährlich zu machen. Der Ausblick, der sich uns bietet, ist phänomenal. Wir sind so weit oben. Wow! In der Langsamkeit des Kletterns in dieser ausgesetzten Passage liegt ein eigener Zauber. Es ist anders als alles, was wir bisher am Berg erlebt haben. Wir merken kaum, wie die Zeit vergeht. In den kurzen Pausen, bzw. Stopps, um eine von oben kommende Seilschaft vorbeizulassen, trinken wir etwas und berauschen uns immer wieder an der Aussicht. Chamonix ist schon ganz winzig. Viel zu schnell ist dieser Teil vorüber vor dem wir so viel Respekt hatten. Wieder mit Steigeisen geht es die letzten Meter auf einer schmalen Spur über Schnee auf das hochmoderne und futuristisch wirkende Refuge du Gôuter zu. Wir sind auf 3835 Meter üM. gelandet. Jetzt fehlen noch knapp 1.000 Höhenmeter bis zum Gipfelglück. Das Refuge ist grandios, der Hüttenwirt Antoine ein überaus freundlicher Zeitgenosse und seine Küche die beste auf der gesamten Tour. Die Tarte au Citron sieht aus als wenn sie gerade einer der verführerischen Patisserien in Chamonix entflohen wäre und auch das Abendessen ist ein Genuss. Wir verbringen einen besonders köstlichen und gemütlichen Nachmittag.

Refuge Gôuter - Ein Luftschloss für Bergsteiger

Einen Ausflug wie bei Tête Rousse zum Campground kann man hier nicht machen – das Refuge ist abenteuerlich mit einer Stahlkonstruktion halb schwebend auf einen Felsrücken gebaut. Einmal um die Hütte laufen ist nicht drin. So mümmeln wir uns nachmittags kurz unter die blauen Decken in der gemütlichen Schlafkoje, auch weil wir vermuten, dass es in dieser Nacht nicht viel Schlaf geben wird. Und so ist es auch. Alle Schlafräume sind miteinander verbunden, wohl wegen der Luftzirkulation. Am Abend gibt es ein Bergführer-Briefing mit dem neuesten Wetterbericht. Der klingt etwas sybillinisch – der Wind weiß noch nicht so recht aus welcher Richtung er wehen möchte. Was mag das wohl bedeuten? Wir werden es bald wissen.