2017. Los geht's auf 3.030 Meter
01.07.2017

Am 01. Juli 2017 um 5 Uhr ist es soweit. Turbulente Wochen liegen hinter uns, jetzt geht es endlich los. Der Juni war mörderisch heiß, da ist es befremdlich gewesen, Daunenjacke und dicke Wollsocken in den Rucksack zu packen. Die Fahrt ins Wallis ist uns zwischenzeitlich vertraut. Gegen 13 Uhr stellen wir das Auto in die Tiefgarage von Saas Fee, tauschen Söckchen und Turnschuhe bei über 30°C gegen dicke Wollsocken und die schweren Hochtouren-Stiefel. Anschließend packen wir Seil und Pickel auf den Rucksack. Saas Fee gefällt uns, stellen wir beim Durchqueren fest. Anders als Zermatt herrscht hier noch etwas Bergidylle und nicht nur Disneyland-Tourismus. Wir stärken uns bei einer Boullion mit Ei, bevor uns die Felskinn-Bahn auf 3.000 Meter beamt. Kurz nach 15 Uhr haben wir den Sommer hinter uns gelassen und sind mitten in der Bergwelt und im Schnee gelandet. Nach kurzer Querung über den Chessjengletscher kommen wir nach einer Stunde Marsch auf der Britannia Hütte (3030 m) an, die für die nächsten 3 Nächte unser erstes Akklimatisierungslager wird. Es hat zu schneien angefangen und ein kleiner Schneemann auf einer verlassenen Bierbank begrüßt alle Neuankömmlinge. Das Matratzenlager ist schnell bezogen und bis zum Abendessen haben wir etwas Zeit uns an den Gedanken zu gewöhnen, dass unser Abenteuer ab jetzt seinen Lauf nehmen wird. Wie wird es wohl dieses Mal enden?

2. Juli 2017.

Der erste Morgen startet wolkig und kühl. Wir halten uns an den Plan, am ersten Tag nicht zu viel zu machen, und Herz und Kreislauf erst an die ungewohnte Höhe zu gewöhnen. Die Versuchung los zu pirschen ist groß – überall Berge. Allerdings werden sie schnell von einer dicken Wolkendecke versteckt. Unser Ziel heute ist der nahe gelegene Hohlaubgletscher. Wir sind zum allersten Mal ohne Bergführer am Seil unterwegs. Jeder Knoten, der Seilabstand, der Klettergurt wird genau geprüft. Ein bisschen fühlt es sich an, wie die erste Autofahrt alleine nach der Führerscheinprüfung. Unter unseren Steigeisen knirscht das Gletschereis. Der Seilabstand ist so groß, dass eine Unterhaltung nicht möglich ist. Es gibt eine gut angelegte Spur, der wir folgen. Mit jedem Meter, den wir zurücklegen, nimmt der Wind zu und deckt die Spur zu. Wir sind ganz alleine auf dem Gletscher. Wagen uns ein gutes Stück ungespurt über das Eis, queren die ersten Spalten und kehren nach kurzer Pause um. Sicher ist sicher. Am Nachmittag reißt der Himmel auf und beschert uns vom Hausberg ein fantastisches Alpen-panorama. Ein bunter Mix aus Drei- und Viertausendern: Strahlhorn 4190 m, Fluchthorn 3790 m, Rimpfischhorn 4198 m und das Allalinhorn 4027 m – unser Ziel für den nächsten Tag, bauen sich eindrucksvoll vor uns auf. Abgelenkt werden wir nur von den Haussteinböcken, die sich eitel mit ihrem beeindruckenden Gehörn in Pose stellen und nach Aufmerksamkeit verlangen. Wir tun ihnen den Gefallen und fotografieren was das Zeug hält.

3. Juli 2017.

Die folgende Nacht ist übel. Die Gipfelstürmer, die das Strahlhorn besteigen wollen, müssen um 3 Uhr raus und sind nicht gerade Leisetreter. Die Tütenraschler sterben einfach nicht aus. Der wirkliche Grund für die Schlaflosigkeit sind aber maßlose Kopfschmerzen. Nun also doch. Die Höhe schlägt zu. Wir kennen diese Zeichen von der Monte Rosa Runde und wissen, hier helfen nur Ibuprofen und Kaffee. Es wirkt. Um 6:00 Uhr starten wir unsere Tour aufs Allalinhorn gut gelaunt und fit. Unser erster Viertausender ohne Bergführer. Geschmeidig geht es auf den 4027 Meter hohen Gipfel. Wir haben genug Puste, um immer wieder die grandiose Aussicht bei bestem Kaiserwetter zu genießen. Der schmale Gipfelgrat verlangt höchste Konzentration auf jedem Schritt, aber auch das meistern wir bei unserer Zweierseilschafts-Premiere. Geschafft! Jetzt kommt die Daunenjacke zum Einsatz, wir sichern uns und genießen 360° Grad Bergwelten. Das Matterhorn sieht aus als wenn es auf einer Spielzeugeisenbahn stehen würde. Kurzes Gipfelkreuz-Fotoshooting, etwas Schokolade und es geht im flotten Tempo bergab. Rollen lassen heißt die Devise – nur nicht abbremsen. Das würde Kraft kosten und auf die Knie gehen haben wir während der Vorbereitung gelernt. Nach ausgiebiger Pause am Mittelallalin sind wir gegen 15 Uhr wieder an unserem Britannia-Basislager. Wir dürfen in dieser Nacht ein Lager für uns alleine genießen und breiten uns aus. Die dritte Nacht in dieser Höhe verläuft ruhig, der Puls ist es auch – die Akklimatisierung läuft.