2018. 3x Gratwanderung im Wallis. TEIL 1
27.08.2018

Wir stehen auf 2.380m am Gletschersee-Parkplatz bei Moiry und fragen uns mal wieder – was anziehen?! Auch in der Schweiz wütet der heiße Sommer gnadenlos. Unser Blick nach oben zeigt eine Gletscherwelt und doch können wir uns nur schwer vorstellen, dass es da oben tatsächlich kühler sein soll. Aber in unserem Hinterkopf warnt eine Stimme und erinnert an die Erfahrungen des Mont Blanc Aufstiegs im letzten Jahr… Also tauschen wir die kurzen Hosen in lange Berghosen und los geht es.

500 Höhenmeter sind es nur bis zur Cabane de Moiry – unserem Basislager für die nächsten Tage. Weil es nur so wenig Höhenmeter sind und wir nicht weiterziehen, können wir der Verlockung nicht widerstehen und packen ein bisschen mehr in den Rucksack.

Die Quittung kommt prompt und wir beißen beim kurz-knackigen Schlussanstieg ordentlich auf die Zähne. Nach nur 1.5 Stunden Marsch nimmt uns ein wunderbares Bergdomizil freundlich auf: die Cabane de Moiry auf stattlichen 2850m.

Neben der alten Hütte aus Stein, thront der neue Gebäudetrakt, dessen Gästeraum ringsum verglast ist. Wow! Wir sind mittendrin. Ein atemberaubender Blick auf eine uns noch unbekannte Berglandschaft aus Fels und Schnee berauscht unsere Sinne. Genauso hatten wir uns das gewünscht! Mixed Gelände. Top. Nachdem wir die letzten beiden Sommer viel im Schnee verbracht hatten, wollten wir dieses Jahr unbedingt viel Felsen spüren. Andreas hat uns in der Folge hierher gelockt; morgen würde er zu uns stoßen.
Wir richten uns ein, kommen an und genießen die wilde Bergwelt um uns herum. Bestaunen den Gletscherbruch und seine Moräne, die sich nicht sichtbar talwärts quält. Auf welche Gipfel würde Andreas uns wohl die nächsten Tage führen? Voller Vorfreude auf den nächsten Tag gehen wir früh schlafen.

Andreas kommt am nächsten Tag um halb sieben den Berg hinauf gedampft. Wir frühstücken gerade. Ein wunderbar vertrautes ‚Hallo‘; ein schnelles Update – für mehr würde am Nachmittag Zeit sein und schon sind wir zu dritt auf Tour. Im Rucksack liegen Klettergurt, Helm, Steigeisen, Eispickel – das ganze Besteck.

Ein paar hundert Höhenmeter und knappe Stunde später, kommt von Andy die Ansage: „Anseilen.“ WIR! Er nicht. „Ihr wollt ja was lernen…“ Uuuups! Also gut, los geht’s. Vor unserer Nase türmt sich ein felsiger Grat auf, den wir jetzt im Wechsel vorsteigen, oder an - laut Andy ‚exponierten Wanderpassagen‘ - synchron wie beim Wasserballett - im knappen Abstand von 1.5 Meter hinaufklettern. Andy tänzelt frustrierend leichtfüßig neben uns her, lässt uns den besten Weg durch die Felsverblockung suchen, gibt Tipps.

Das verlangt viel Konzentration und Kraft. Im Rucksack drückt das Gewicht von knapp 60m Restseil erheblich. Das ist alles nicht ohne, aber es klappt! Neue Möglichkeiten eröffnen sich uns, die Berge zu erleben. Wir zwei am Seil – ohne Bergführer. So wird der Gipfel des Pic de la Lé (3.190m) ein Besonderer für uns!

Nach gut 2 Stunden Kletterei sind wir auf knapp 3.200m und mit Aussicht auf Berge, Berge, Berge gibt es die verdiente Heldenpause.

Doch in die Aussicht drängen sich Wolken, türmen sich rasant schnell auf, schießen nach oben und kündigen ein Gewitter an. Also Steigeisen anziehen, denn es geht weiter … ruckzuck über den Gletscher zurück zur Hütte. Blitz und Donner begleiten uns. Gerade noch trocken kommen wir an, um durch das Panoramafenster der Cabane de Moiry das Wetterspektakel zu bestaunen. Und nicht nur das flößt uns Respekt ein… Andy zeigt auf die geplante Tour für den nächsten Tag. Oh la la! Sieht von der Hütte aus ganz schön weit und kaum machbar aus! Na ja. Andreas wird schon wissen, was er uns zutrauen kann, denken wir und lenken uns mit Kaffee und Kuchen ab.

Das war erst das Warming-Up. Am nächsten Tag wartete der kleinste Gipfel, den wir bislang betreten hatten auf uns. Fortsetzung folgt…