2018. Großer Widderstein nach langer (Berg-)Abstinenz
24.07.2018

Ein perfekter (BERG)-Tag mitten in der Woche!

Es ist Dienstag. Wir stehen sehr früh auf. Doch während andere sich schon für ihren Arbeitstag fertig machen, schnappen wir unsere Rucksäcke, packen Vesper, Kaffee, Sonnencreme und Helm ein, schnüren die Bergstiefel, um einfach mal eben in Berge zu fahren.Treffpunkt ist um 6:30 Uhr in Neuhausen am P&R. Los geht die staufreie Fahrt auf der A8 in Richtung Allgäu.Ziel ist Baad im Kleinwalsertal. Wir kommen super gut durch und erreichen den Parkplatz um 9:00 Uhr. Das Ziel für diese Tages-Bergtour haben wir uns kurzerhand die Nacht zuvor ausgesucht: der Große Widderstein (2533m). Am Montag haben wir bis spät abends um 23:00 Uhr gearbeitet. Damit war der Weg frei, um heute den Schreibtisch links liegen zu lassen. Die Vorteile der Selbständigkeit, gilt es von Zeit zu Zeit zu nutzen...

Endlich wieder Berge! Es ist lange Zeit her. Zu lange. Wir wollen den Großen Widderstein besteigen. Ab dem Barkplatz in Baad sind es nur 'schlappe' 1300 Höhenmeter. Davon führen die letzten 500HM weglos und steil durch bröseligen, nackten Fels. Der gesamte Aufstieg verteilt sich auf knapp 8KM - und darf natürlich auch wieder abgestiegen werden. Zugegeben, ein wenig ambitioniert für unsere momentane Kondition. Aber die Lust ist sooo groß. Besonders verlockend - es gibt was zu kraxeln. Das Gebiet ist wunderschön. Das Wetter perfekt. Wenig Menschen sind unterwegs - und letzteres macht den Großen Widderstein besonders attraktiv - das reduziert die Steinschlag-Gefahr beim Gipfelanstieg.

Die ersten 800HM über das Gemsteltal bis zum Fuß des Gipfelanstiegs sind HERRLICH. Eine üppige Vegetation säumt den abwechslungsreichen Weg nach oben. Wir vergessen ganz die Höhenmeter, die wir zurück legen bis wir auf einem kleinen Plateau landen, das zum Verweilen einlädt. Wir aber haben den Gipfel im Visier. Wer den felsigen Gipfelanstieg nicht mag, kann an dieser Stelle weiterlaufen und landet nach ca. 20 Minuten auf der Widderstein-Hütte. Dort lässt sich einkehren und der Weg führt über das Bärgundtal - sozusagen als 'Round-Trip' wieder nach unten.

Keine Option für uns! Der Fels lockt und wir ziehen die Helme auf. Denn nicht immer kommt alles Gute von oben. Dann geht es los, ohne große Pause in der Direttissima des Großen Widdersteinens nach oben. Uff! Wir hatten damit gerechnet, dass wir Kraxeln dürfen und alle Viere brauchen würden - wir lieben das ja. Aber dass es so direkt bergauf geht, haben wir schon etwas unterschätzt. Vielleicht macht sich doch auch das wenige Training bemerkbar. Es ist schließlich 14:00 Uhr als wir oben am Gipfel ankommen. Also vier Stunden 20 Minuten haben wir für diese knapp 1.300Hm in der steinigen Landschaft gebraucht. Zeit mit viel Pausen haben wir nicht vertrödelt. Gitta ist überwältigt. Zum Teil auch von den Gefühlen. Endlich mal wieder Berge. Das Panorama ist sensationell. Atemberaubend. Die Aussicht unendlich weit. Dafür lohnt sich jede Anstrengung. Wieder einmal spüren wir, wie gut die Berge uns tun.


Eine Pause tut Not. Trotz Gewitterwolken, die sich um uns herum auftürmen. Wir vertrauen dem Wetterbericht, der feinsten Sonnenschein für 12 Stunden vorhergesagt hat. Und so gibt es Gipfelbrotzeit, Fotoshooting und ein Power-Napping. Nach einer dreiviertel Stunde geht es erfrischt an den Abstieg, der sich überraschend einfach gestaltet. Vielleicht sind wir nach diesem Aufstieg auch schlichtweg 'eingelaufen'.

Am Gipfelfuß angekommen, ziehen wir die Widderstein-Hütten-Variante und gönnen uns ein eiskaltes Johannisbeersaftschorle. Im Schatten ist es nach kurzer Zeit echt frisch. Lange bleiben wir ohnehin nicht, denn es warten ja noch einige Höhenmeter nach unten auf uns. Da die Zeit schon fortgeschritten ist, wählen wir den Abstieg wieder durch das Gemsteltal. Die Roundtrip-Variante wäre eine Stunde länger. Die investieren wir lieber in Kässpätzle. Wir fliegen den Berg hinunter bis die Sohlen rauchen. Am Parkplatz angekommen tauchen wir die heiß gelaufenen Füße in die Breitach. Das zischt. Tut gut. Kurz ein frisches T-Shirt übergezogen und ab nach Mittelberg zu den Kässpätzle. Wow! Das schmeckt jetzt richtig gut.

Es ist halb zehn, als wir überglücklich ins Auto steigen und wieder retour fahren. Gegen Mitternacht sind wir nach einer herrlichen Dusche so gut wie im Bett. War das wirklich nur ein einziger Tag?! Die Berge versprühen ihre Magie in einem Augenblick. Und dieser fühlt sich oft wie eine Ewigkeit an.


P.S. Auch wenn die Muskeln am nächsten Tag leise zuckten, nach diesem Tag waren wir zuversichtlich, dass wir die bevorstehenden Tage im Wallis, die wir - gemeinsam mit unserem Bergführer Andreas geplant hatten - auch meistern würden. Die Berge verleihten uns einfach Kraft.


Mehr zur Tour: https://www.outdooractive.com/de/bergtour/kleinwal...