2019. Opening bei geschlossener Schneedecke
03.06.2019

Der Anruf bei Tourismusbüro bestätigt was wir vermuten: der Saisonstart ist mindestens 3 Wochen hinten dran. Ab 1600 Meter liegt eine dicke, geschlossene Schneedecke. Begehung nur mit entsprechender Ausrüstung und Erfahrung möglich. Und so packen wir die Steigeisen und Gamaschen in den Rucksack als wir uns Anfang Juni in Richtung Kleinwalsertal aufmachen. Quartier beziehen wir in Mittelberg, ganz bodenständig im Ort. Es ist warm und zur ersten Joggingrunde reichen T-Shirt und Shorts, aber die Gipfel ringsum tragen in der Tat ein sattes Weiß.

Am nächsten Morgen brechen wir gemütlich gegen 9 Uhr auf. Die Fiderehütte hat gerade geöffnet und der Hubert freut sich über jeden Gast, der sich vom Schnee nicht abschrecken lässt. Tatsächlich – noch vor der Baumgrenze stapfen wir durch tiefen Schnee. Das kostet extra Kraft, denn bei jedem Schritt geht es auch wieder ein paar Zentimeter retour. Bei einer Traverse verstummt das Gespräch und die Konzentration gilt jedem Tritt. Links geht’s abwärts. Einmal in Fahrt gekommen, wären die Folgen vermutlich fatal. Die letzten 200 Höhenmeter sind schweißtreibend. Der Anstieg steil, der Schnee durch die Sonne sulzig, immer wieder brechen wir ein. Uff. Und das zum Saisonstart. Gemütliches Einlaufen geht anders. Aber es kann ja keiner sagen, wir wären nicht gewarnt gewesen. Nichts desto trotz, nach nur 3 ½ Stunden hatten wir die 1000 Höhenmeter und ca. 8 km mit Pausen gemeistert.

Die Aussicht, das Licht, die Stimmung hier oben sind fantastisch! Die Fiderehütte ist vor und nach der Saison immer einen Aufstieg wert. Man kann einmal tief Alpen schnuppern und sich an dem Anblick kaum satt sehen. Wir machen das ausgiebig. Genießen nach der Käspressknödelsuppe und einem ‚Johann‘ einfach nur das Sein. Schön!

Gestört wird die Ruhe von tobenden Rotorenblättern des Rettungshubschraubers, der direkt an der Hütte landet und kurz darauf mit einem Bergretter am Haken wieder davon schwebt. Was da wohl los ist? Kurz darauf kommen sie zu dritt zurück. Eine junge Frau ist von einem Steinschlag erwischt worden. Es ist schon ein mulmiges Gefühl, wenn man die Jungs so im Einsatz sieht. Gut zu wissen, dass es sie gibt, noch besser – sie nie zu brauchen. Wir machen uns an den Abstieg. Und wo wir die Steigeisen schon dabeihaben, packen wir sie auch aus. Der Rettungshubschrauber war uns eine Warnung.

So bezackt und geübt geht es in der Falllinie mit Schwung nach unten. Wie die Gämsen springen wir jetzt durch den vollständig aufgesulzten Schnee. Ein Frauentrupp kommt uns fix und fertig entgegen und beneidet uns um die Leichtigkeit des Abstiegs. Wir trösten, sprechen ihnen Mut zu und sausen weiter nach unten. Ohne Schnee geht’s wieder normal weiter. Links und rechts plätschern das Schmelzwasser talwärts. Das ist verlockend. Schuhe weg, Socken aus und dann hinein. Das Kneipvergnügen halten wir maximal 30 Sekunden am Stück aus, dann droht Erfrierungsgefahr. Aber Wechselbäder sollen ja gesund sein.

In der Tat – am nächsten Tag fühlen sich Füße und Muskeln taufrisch an. Wir toben etwas über die Hörnergruppe. Die ist bis auf das Riedberger Horn schneefrei. Wer es gemütlich mag, dem sei diese Tour sehr empfohlen. Sie gibt auf der einen Seite einen grandiosen Blick auf den Alpenhauptkamm frei und auf der anderen auf das Allgäu und die Nagelfluhkette. Wow. Dieser Kammweg über mindestens 7 Gipfel hat es in sich. Je nachdem wie man ihn geht, kommen geschmeidige 1400 Höhenmeter und ca. 16 km zusammen; steigt man bis ins Lecknertal ab kommen gerne noch 4-5 km dazu. Jetzt – wo sich die Nagelfluhkette so vor uns ausbreitet, ist das schon eine beeindruckende Gipfeltour. Wir schlendern aber gemütlich auf der Hörnertour weiter bis nach Bolsterlang. Da endet das Opening 2019. Doch wir dürfen uns schon auf die nächsten imposanten Gipfel freuen…