2015. Mythos Mont Blanc
15.09.2015

Das legendäre Mont-Blanc-Massiv ist einer der meistbesuchten Naturschauplätze der Welt und zieht jedes Jahr Millionen Touristen in seinen Bann. Und welcher Bergsteiger träumt nicht davon, einmal auf dem 4.810 m hohen „Dach von Europa“ sein Gipfelglück zu erleben! Und das, obwohl extremen Bedingungen und besondere Gesetze auf dem "Dach Europas" gelten. Dieser Koloss – auch wenn als PD (Petit Difficile) eingestuft, stellt konditionell und mental eine große Herausforderung dar. Plötzliche Wetterstürze, Stein- und Eisschlag oder Lawinen bergen erhebliche Risiken. Der Mont Blanc gehört zu den zehn tödlichsten Bergen der Welt.

Jacques Balmat und Michel-Gabriel Paccard, beide aus Chamonix haben am 8. August 1786 als Erste den Mont Blanc bestiegen. Gut zwanzig Jahre später stand mit Maris Paradis die erste Frau auf dem Gipfel. Die Überlieferung sagt, dass Marie – anders als wir – nicht ganz freiwillig auf den Berg gestiegen ist und man sie einen Teil der Strecke getragen hat. Nichtsdestotrotz ist es eine bemerkenswerte Leistung gewesen, die ihr in der Folge viel Ruhm eingebracht hat. Sie hat in Les Houches einen kleinen Teeladen eröffnet. Hier haben die Leute bei einem Tässchen Tee ihrer Geschichte gelauscht. Marie Paradis hat das Geschäft ein weitaus besseres Lebens als jenes als Bauernmädchen ermöglicht, somit haben sich alle Mühen für sie bezahlt gemacht.


Die zweite Frau auf dem Gipfel war Henriette d’Angeville. Und weil sie – anders als Marie – freiwillig auf den Gipfel gestiegen ist und diesen auch aus eigenen Kräften am 4. September 1838 erreicht hat, gilt sie als eine der wichtigsten Figuren zu Beginn des Frauenalpinismus. Wir durften im Alpinmuseum von Chamonix ihr Equipment und ihr Outfit bestaunen. Wow - trés chic! Als Funktionskleidung geht das nicht durch. Allein ihre Kleidung dürfte schwerer wiegen, als unser beider Ausrüstung zusammen. Nur bei den 'Schühchen' war sie etwas sparsam.

Zusätzlich zur Ausrüstung hatte sie mit ihrer Mannschaft unter anderem zwei Hammelkeulen, zwei Ochsenzungen, 24 Hühner, 18 Flaschen Rotwein, ein Fass Weißwein, viel Brot und Schokolade im Gepäck. Da loben wir umso mehr, die gute Versorgung auf den beiden Refuges, auf denen wir übernachten konnten und die quadratisch-praktische Schokolade, die in die Jackentasche gepasst hat.

Henriettes Mut und ihr Erfolg wurden von der Genfer Zeitung ‚Féderal‘ am 11. September wie folgt goutiert: „Unser stolzer Montblanc muss sich gedemütigt fühlen wie noch nie. Am 4. September, um 1 Uhr 25, sah er seinen Gipfel von einem Frauenfuß betreten. (…) Wenn man von nun an mit den Worten des Dichters ‚nil mortalibus arduum‘ sagen wird – dass also für die Sterblichen nichts unerreichbar ist – wird man gut daran tun, die weiblichen Sterblichen nicht zu vergessen.“ Und so kam es auch. Allein Henriette hat in der Folge noch über 20 Gipfel der Alpen bestiegen bevor sie 1871 starb.

Chamonix hat sich zum Mekka des Alpinsports entwickelt. Auch heute ist das Flair des Städtchens sehr sportlich geprägt. Anders als im mondänen Sankt Moritz, oder im touristischen Zermatt, mischen sich hier im Straßenbild kunterbunt Bergsteiger, Trailrunner, Kletterer, Skifahrer, Gleitschirmflieger u.v.a.m. mit den internationalen Besuchern, die den Ort jedes Jahr zu Millionen bereisen.

Auch wir gehören zu den großen Fans dieser einmaligen Alpenmetropole, nicht nur wegen dem Berg und dem Charme des Ortes, sondern unter anderem wegen der vielen Patisserien und Gourmetgeschäften, die uns mit ihrem verführerischen Angebot immer wieder magisch anziehen.