2015. Vom E5 zum Mont Blanc
13.08.2015

Im Sommer 2015 fing alles an: In kurzen Hosen und gut gelaunt geht es über die Alpen, auf dem E5 von Oberstdorf nach Meran. Der Weg, für uns ein einziger Genuss: Speck, Kuchen, barfuß im Gebirgsbach, Mittagsschläfchen am Hochplateau, ein Schnaps bei der Ankunft auf der Hütte. Die im Vorfeld erwarteten Strapazen der langen Etappen bleiben aus – die Alpenüberquerung verschafft uns ein wahres Hochgefühl. Die Krönung unseres E5-Spezials ist die Besteigung des 3606 m hohen Similauns. Diese letzte Etappe über Gletschereis und Felsgrade, mit unbekanntem Werkzeug, 12-zackigen Steigeisen an den Stiefeln, wird unsere erste ernste Herausforderung im alpinen Gelände. Selbst die kurzen Hosen bleiben im Rucksack. Aufbruch in den frühen, kalten Morgenstunden, die Steigeisen fressen sich ins harsche Gletschereis, und mit jedem Schritt kommen wir dem Himmel ein Stück näher. Und dann der Gipfel. Atemberaubend das Alpenpanorama: ein Meer von Berggipfeln – soweit das Auge reicht. Ein Anblick, der mitten ins Herz geht und uns für immer prägt! Vor Freude tanzen wir leichtfüßig um das luftige Gipfelkreuz.

Unsere Sehnsucht ist geweckt. Wieder zurück im Tal träumen wir von den nächsten Gipfeln, von neuen Zielen, dem nächsten Höhenrausch. Der Hochtouren-Virus hat uns gepackt. Mit einer gehörigen Portion Naivität und auch ein bisschen Selbstüberschätzung wollen wir keine halben Sachen machen, sondern entscheiden uns gleich für den allerschönsten und nebenbei höchsten Berg der Alpen. Da wollen wir hoch! Aus eigener Beinkraft. Das Projekt „Mont Blanc 4.810 m“ ist geboren. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Aber was braucht es, um da hoch zu kommen? In den folgenden Monaten gibt es für uns nur noch diese Themen: Ausdauer- und Kletter-Training, Hochtouren-Ausrüstung, Route, Equipment, Bergführer, Termin, Akklimatisierung, Unterkunft, Ernährung. Aus einer spontanen Idee wird eine umfassende Unternehmung. Bei unserer Recherche, bei jedem Artikel, jedem Vortrag, den wir gezielt besuchen, wird uns klar: Nun wird es ernst. Mit unserem Vorhaben werden wir uns in einer anderen Liga bewegen – Bergsteigen hat in dieser Höhe und Ausgesetztheit mit der Leichtigkeit des Genusswanderns nicht mehr viel zu tun. Kurze Hosen werden gegen dreilagige Hardshell-Goretex-Beinkleider eingetauscht; und einen Profi, der uns führen soll, brauchen wir auch.